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Saudi-Arabien: Kultur- und Bildungspolitik, Medien

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Kultur- und Bildungspolitik 

Die gesellschaftliche Reformpolitik der saudi-arabischen Regierung bringt auch eine rasche Öffnung im Bereich der Kultur mit sich: Seit 2017 sind in Saudi-Arabien wieder öffentliche Konzerte zugelassen. Das Verbot von Kinos im Land wurde aufgehoben. Auch im Sportbereich gibt es Veränderungen, unter anderem zur Förderung des Frauen- und Mädchensports. Die Geschlechtertrennung bei Konzerten und anderen öffentlichen Großveranstaltungen wird inzwischen zunehmend aufgehoben. Seit Januar 2018 ist Frauen der Zutritt – wenn auch ein getrennter – zu Sportveranstaltungen in Stadien gestattet. 

Vorangetrieben wird die kulturelle Öffnung im Zuge der „Vision 2030“ von der Unterhaltungsbehörde, der Kulturbehörde, der Sportbehörde und der Bildungsstiftung Misk. Im Juni 2018 wurde ein eigenständiges Kulturministerium aus dem bisherigen Ministerium für Kultur und Informationen ausgegliedert. Satellitenfernsehen, Internet aber auch die regelmäßigen Fahrten ins westliche Ausland oder in die benachbarten arabischen Staaten ermöglichen der Bevölkerung bereits jetzt den Zugang zu einem breiteren Kulturverständnis. Regelmäßig sind saudische Kulturschaffende auch in Deutschland zu Gast. 

Das Bildungssystem ist weiterhin islamisch geprägt und entspricht in vielen Bereichen nicht modernen bildungspolitischen Standards. Daher steht die Bildungspolitik im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Etwa ein Fünftel des staatlichen Budgets wird in neue Schulen, Universitäten und ihre Ausstattungen investiert. Allein die hohe Geburtenrate stellt das Bildungssystem vor enorme Herausforderungen. Zudem wird in der Öffentlichkeit lebhaft über eine Verbesserung der Bildungsstandards diskutiert. Als nützlichen Baustein einer auf Toleranz und moderne Inhalte ausgerichteten Lehre sehen viele auch das Studium im Ausland an, für das jedes Jahr Tausende Regierungsstipendien vergeben werden. Gegenwärtig studieren im Rahmen des „Stipendienprogramm des Hüters der beiden Heiligen Stätten“ ca. 160.000 saudische Männer und Frauen im Ausland. Die Ausbildung ist an Schulen und Universitäten in Saudi-Arabien mit wenigen Ausnahmen streng nach Geschlechtern getrennt. Insgesamt sind inzwischen über die Hälfte der saudi-arabischen Studierenden Frauen. 

Die deutsche auswärtige Kultur- und Bildungspolitik kann unter diesen Rahmenbedingungen nur eingeschränkt aktiv betrieben werden. Ein regelmäßiges Kulturprogramm wird von den Botschaften angeboten. Die Deutsche Botschaft veranstaltet regelmäßig Kinoabende, Konzerte und Ausstellungen. Deutschland war 2016 Gastland des größten kulturellen Ereignisses in Saudi-Arabien, des unter der Schirmherrschaft des Königs stehenden Janadriyyah-Festivals. Seit 2014 ist das Goethe-Institut mit einem Sprachlernzentrum in Riad vertreten, das seit 2016 in eigenen Räumlichkeiten untergebracht ist und auch Kulturveranstaltungen ausrichtet.

Medienlandschaft 

Neben den staatlichen Fernsehsendern (KSA1, Ekhbariah, Thaqafiah, Sport und die beiden religiösen Kanäle unnah und Quran) dominiert das panarabische Privatfernsehen den saudischen Markt. Der Nachrichtensender al-Arabiyya (Sitz in Dubai) befindet sich in saudischem Besitz. Seine Programme geben häufig eine der offiziellen saudischen Position nahe Sicht des Weltgeschehens wieder. Daneben werden auch die Unterhaltungsprogramme der sich in saudischem Privatbesitz befindlichen Sendergruppen MBC und Rotana viel gesehen. 

Die Medien unterliegen staatlicher Kontrolle und sind meist als private Wirtschaftsunternehmen organisiert. Die größten saudischen Tageszeitungen sind „Al-Jazeera“, „Ar-Riyadh“, „Al-Watan“ und „Okaz“. Daneben gibt es die englischsprachigen “Arab News” und “Saudi Gazette”. Die panarabischen Tageszeitungen „Ash-Sharq Al-Awsat“ und „Al-Hayat“ befinden sich in saudischem Besitz und erscheinen in Saudi-Arabien als Lokalausgabe.

Die Nutzung der sozialen Medien ist weit verbreitet. Twitter hat in Saudi Arabien den höchsten Nutzeranteil an der Bevölkerung. Genutzt werden auch Facebook und Snapchat. Auf Twitter kommt es zu teils kontroversem Austausch von Meinungen zur wirtschaftlichen Lage, religiösen Wertvorstellungen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Kritik an der politischen Führung ist tabu und wird unterbunden. Im Internet besteht eine Zensur gewisser politischer und „unislamischer“ Inhalte. Auch radikal-islamische und dschihadistische Internetseiten, auf denen zur Ausübung von Gewalt und Terror aufgerufen wird, werden blockiert.

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